Knochen und Zähne


Das Skelett, bestehend aus Knochen, einem festen, wenig verformbaren, aber sich ständig auf- und abbauenden Gewebe, gibt den Wirbeltieren eine Stütze, ist Ansatz für Muskulatur und schützt viele empfindliche Organe wie Sinnesorgane und das Gehirn. Durch den Schädel am vorderen Ende des Skeletts kann man viel über das Leben und die Ernährungsweise von Wirbeltieren lernen. Mit dem Schädel nimmt ein Tier seine Umgebung wahr, viele Sinne sind mit ihm verbunden. Ein Tier kommuniziert, verteidigt sich mit ihm und nimmt Nahrung mit ihm auf. Während eines Lebens verändert der Schädel ständig seine Proportionen und sein Aussehen.



Der Aufbau der verschiedenen Schädel ist trotz ihrer Unterschiedlichkeit im Prinzip sehr ähnlich. Viele Merkmale sind eher ursprünglich, wie etwa der Besatz von Zähnen bei der Ordnung der Insektenfresser. Andere Schädel zeigen Spezialisierungen wie die Nagezähne der Nager, das Fehlen von Zähnen (im Oberkiefer von Hirschen, Schnabeltiere) oder der scharfe Kauapparat bei den Alligatoren.



Die Zähne lassen besonders gut auf die Ernährung der Tiere schliessen. Fleischfresser etwa haben spitze und messerscharfe Zähne, mit denen sie Fleischstücke herausreissen und zerkauen können. Grass- und Pflanzenfresser, wie etwa Pferd oder Rind, haben grosse breite Backenzähne mit einer flachen, strukturierten Oberfläche. Zähne wie beim Menschen oder beim Schwein lassen auf eine Ernährung durch Fleisch und Pflanzen schliessen.


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Die Stellung und Grösse der Augen gibt uns ebenfalls Auskunft über das Verhalten der Tiere. Sind die Augenhöhlen sehr gross, lässt das auf eine Aktivität bei Nacht schliessen. Augen, die nach vorne zeigen, sind ideal für Räuber wie Alligator und Kojote. Sind die Augen seitwärts zu finden, erlaubt das den Tieren, sehr weit ihre Umgebung zu überwachen, sogar nach hinten zu schauen. Man findet dies z.B. bei Hirschen oder Kaninchen, die oft Opfer von Raubtieren werden können und darauf angewiesen sind, schnell ihre Feinde zu erkennen um zu entkommen. Hörner oder Geweihe helfen Tieren (meist den Männchen) bei der Verteidigung, bei der Werbung oder bei der Kommunikation ganz allgemein. Hörner, wie bei Bison, Schaf oder Steinbock, werden ein Leben lang getragen. Geweihe dagegen, wie bei Elch oder Reh, werden regelmässig abgeworfen und erneuert. Die Erkenntnisse, die wir aus dem Studium der Zähne gewinnen, können in der Paläontologie, der Wissenschaft, die sich mit ausgestorbenen Tieren beschäftigt, auf Auswertungen von Schädel- und Zahnfunden von fossilen Wirbeltieren übertragen werden. Damit ist es möglich, auch bei Tieren, die vor vielen tausend Jahren ausgestorben sind, noch ihre Lebensweise zu rekonstruieren.