Im Folgenden möchte ich eine Reihe von Knochen und Schädeln vorstellen und erläutern, die ich als besonders interessant ansehe. Es sind Beispiele aus ganz verschiedenen Bereichen der Tierwelt und vom Menschen, aus ganz unterschiedlichem kulturellem Zusammenhang.

  • Ifuago Schweineschädel von den Philippinen
  • Dayak Pferdeschädel aus Borneo
  • Penisknochen
  • Reliquien
  • 3D Druck vom eigenen Schädel

  • Ifuago Schweineschädel von den Philippinen

    Bei den Ifugao handelt es sich um eine Ethnie, die in den schwer zugänglichen Philippinischen Kordilleren auf Nord-Luzon in den Philippinen lebt. Die Selbstbezeichnung „Ifugao“ bedeutet so viel wie „Menschen der Erde“. Bekannt ist, dass die Ifugao zu den Kopfjägern gehörten. Es war üblich, die Schädel der getöteten Feinde kunstvoll als Wandschmuck zu verarbeiten. Besonders ist noch heute das Verhältnis der Ifugao zu Schweinen, die zu zeremoniellen Schlachtungen gehalten werden. Auch hier wurden und werden die Schädel präpariert und in ihren Wohnbereichen angebracht Diese Schädel mit der typischen schwarzen Patina sollen den bösen Geist draußen belassen und so den Innenbereich schützen.

    Literatur zum Thema:

  • L. Newell, 2007, „Headhunters´Encounter With God – An Ifugao Adventure“, iUniverse
  • J.H. Ziegler Remme, 2014, „Pigs and Persons in the Philippines – Human-Animal Entanglements in Ifugao Rituals^^“, Lexington Books
  • Abbildung 1
    Abbildung 1: Ifugao Schweineschädel von den Philippinen.

    Dayak Pferdeschädel aus Borneo

    Dayak, alternativ auch Dajak oder Dyak, ist ein Sammelbegriff für die indigene Bevölkerung der südostasiatischen Insel Borneo. Zu den Dayak werden dutzende verschiedene Volksgruppen gezählt, die sich in Sprache, Kultur und Lebensweise teilweise gravierend voneinander unterscheiden.

    Im Europa des 19. Jahrhunderts wurden die Dayak insbesondere deshalb bekannt, weil einige ihrer Stämme das Ritual der Kopfjagd praktizierten. Dabei wurden bei Raubzügen und Schlachten getötete Feinde enthauptet und der abgeschlagene Schädel anschließend als Kriegstrophäe mitgenommen.

    Ganz bestimmte, speziell gravierte und bemalte Schädel, wie der hier gezeigte Pferdeschädel, zeigen die Schädelkunst der heutigen Dayak.

    (Literatur zum Thema: siehe unter anderem: Wikipedia, verändert)

    Abbildung 2
    Abbildung 2: Dayak Pferdeschädel aus Borneo

    Penisknochen

    Der Penisknochen, lateinisch auch Os penis, Os priapi oder Baculum, ist ein langgezogener Knochen im männlichen Begattungsorgan, dem Penis, der unter anderem bei der Kopulation helfend eingesetzt wird. Huftiere, Elefanten, Seekühe, Kloakentiere und Beuteltiere besitzen keinen solchen Knochen, verbreitet ist er dagegen bei fast allen Raubtieren, Nagetieren, Fledertieren und Riesengleitern. Auch bei Primaten ist der Penisknochen eher üblich, fehlt aber beim Menschen, was manche auf seine (meist) monogame Lebensweise zurückführen. Unklar ist, ob dieser Knochen beim Menschen im Laufe der Evolution verloren gegangen ist.

    Den größten Penisknochen besitzen Walrösser mit einer Länge von ca. 60 cm, der kleinste ist bei der Fledermaus Pipistrellus gemessen worden.

    In verschiedenen Kulturen erlangt das Tragen von Penisknochen als Amulett eine Bedeutung, was vor allem auf die Funktion des Knochens bei der Paarung zurückführbar ist. Bei den Hoodoo in den USA soll ein Waschbär-Penisknochen zu Liebe und Glück verhelfen.

    Literatur zum Thema:

  • W.R. Brett et al., 1951, Proceedings of the Royal Society of Medicine, 44/433, “The Os Penis in Man and Beast” 11-12.
  • M. Brindle & C. Opie, 2016, Proc. R. Soc. B, 283, “Postcopulatory sexual selection influencesbaculum evolution in primates and carnivores”, 1-7
  • Joanne O’Sullivan, 2010, Book of Superstitious Stuff. Weird Happenings, Wacky Rites, Frightening Fears, Mysterious Myths & Other Bizarre Beliefs.
  • Abbildung 3
    Abbildung 3: Verschiedene Penisknochen, (A) vom Walroß, 60 cm, (B) vom fossilen Höhlenbären, 19 cm, (C) vom Seehund, 14,5 cm, (D) vom Haushund, 7,5 cm, (E) vom Rotfuchs, 5,5 cm, (F) vom Waschbär, 9,5 cm, und (G) vom Kandadischen Biber, 3,5 cm.

    Reliquien

    Seit dem frühen Christentum wurden sterbliche Überreste Heiliger oder Seeliger von gläubigen Christen verehrt. Das können Gegenstände sein, die in das unmittelbare Lebensumfeld der Heiligen gehörten, aber auch Knochen in Form von Schädeln oder ganzen Skeletten (ex ossibus = aus den Knochen), bis hin zu Knochensplittern, die in Form von kleinen Medaillenanhänger aufbewahrt und verehrt wurden und werden.

    Literatur zum Thema:

  • A. Läpple, 1990, Reliquien, Verehrung – Geschichte – Kunst, Pattloch Verlag.
  • Abbildung 4
    Abbildung 4: Die Reliquien des heiligen Ivo werden in der Kathedrale von Tréguier in einem vergoldeten Schrein aufbewahrt. Ivo Hélory von Kermartin starb am 19. Mai 1303 in der Bretagne, gilt heute als bretonischer Nationalheiliger und ist der Schutzpatron der Juristen und Richter.
    Abbildung 5
    Abbildung 5: Ein Medaillenanhänger mit einem Knochensplitter von Artemide Zatti (geboren 1880 in Boretto; gestorben am 5. März 1951 in Viedma, Río Negro). Zatti war ein italienischer Salesianer Don Boscos und Missionar in Argentinien. 1976 eröffnete die argentinische Bischofskonferenz den Kanonisationsprozess, 1980 wurde er zum Diener Gottes, am 17. Juli 1997 für Venerabile (verehrungswürdig) erklärt. Am 14. April 2002 wurde er durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

    3D Druck vom eigenen Schädel

    Vielleicht ist es vorstellbar, wie großartig es ist, wenn man wirklich begeistert von Schädeln ist, und wenn man dann seinen eigenen Schädel in der Hand hält! Möglich war das mit Hilfe von J.G. (Vielen Dank dafür!!!) und CT (Computer Tomographie) Aufnahmen eines Teils meines Kopfes. Der Schädel wurde vollendet mit einem „Pulverdrucker der Firma ZCorporation, Modell 310 (monochrom, Auflösung 300 dpi)“.

    Abbildung 6
    Abbildung 6: 3D Druck meines eigenen Schädels, fotografiert aus zwei Perspektiven.